Der Ehrenamtliche ist der Dumme

Niedriglohn, das war gestern. Warum sollten Leistungsempfänger nicht kostenlos arbeiten? In Hamburg wird zurzeit daran gebastelt, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, wo die Teilnehmer zum Nulltarif arbeiten. Damit haben wir dann so was wie die erst 1969 abgeschafften Arbeitshäuser. Ganz so offensichtlich geht man ansonsten nicht zu Werke bei der Gewinnung von kostenlosen Arbeitskräften. Es ist in Ordnung, wenn sich Menschen für andere Menschen einsetzen. Aber warum schießen Ehrenamt- und Freiwilligenagenturen wie Pilze aus dem Boden? Warum brauchen wir so viel ehrenamtliches Engagement?

Richtig, es gab mal einen Deutschen Sozialstaat, der in Not geratenen Menschen eine Sozialhilfe zahlte, die über der Armutsgrenze lag. In den Krankenhäusern wurde man auch als Kassenpatient hinreichend versorgt, wenn es sein musste, konnte man auf Kosten der Krankenkasse mit einem Taxi zum Arzt fahren. Wenn die Brille kaputt war oder die Werte sich verändert hatten, bekam man kostenlos eine neue. Der Stadtpark und öffentliche Einrichtungen wurden gepflegt und an der Kasse im Schwimmbad wurde die Kassiererin noch ordentlich bezahlt. Man redet uns ein, für soziale Aufgaben, für die Pflege kranker und alter Menschen sei kein Geld mehr da. Wie kann das sein in einer so reichen Gesellschaft wie die unsere?

So ehrenvoll ehrenamtliche Arbeit auch ist, so ist sie doch im Zusammenhang mit den leeren Kassen der Kommunen und der mit der Privatisierung einhergehenden Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu sehen. Das Hohelied der Politik auf das Ehrenamt erweist sich vor dem Hintergrund der Verschwendung von öffentlichen Mitteln einerseits und den knappen Kassen anderseits als purer Zynismus. Gewisse Kreise stopfen sich die Taschen voll, bis die Hosennaht platzt, sie nehmen den Staat aus bis zum Abwinken, die Ehrenamtlichen und sonstige Umsonstarbeiter sollen dann einspringen, wenn dem Staat dann das Geld fehlt.